Wie arbeiten RedakteurInnen die auch selber moderieren?

Wie kommt ein/e RedakteurIn zur erfolgreichen Recherche

Wie machen RedakteurInnen  ihren Job? Wo holen Sie sich welche Informationen? Hier finden Sie die Antworten und ein 5-Schritte-Programm für die erfolgreiche Recherche.

Einfach drauflos rennen und recherchieren bringt nichts! Vor dem Beginn jeder Nachforschung grenzen RedakteurInnen  ihr Thema genau ein. Sie legen fest, was Sie wissen möchten und formulieren eine zentrale Frage (zum Beispiel “Welche Politiker  sind die Innovativsten?”).

Diese Frage muss die Recherche zufrieden stellend beantworten. Sie darf im Verlauf der Nachforschungen nie aus den Augen verloren werden. Andernfalls könnte es passieren, dass die zentrale Frage (zum Beispiel “Was bringt Umsetzung des Energieplans für die Umwelt?”) unbeantwortet bleibt und der/die RedakteurIn stattdessen eine Antwort auf eine ganz andere Frage (etwa “Die  kommende Rohstoffknappheit ist Schuld am Benzinpreis?”) herausfindet.Natürlich halten Profi-RedakteurInnen auch nicht stur an ihrem Konzept fest, wenn sich im Zuge der Recherche ganz neue Perspektiven eröffnen. So könnte sich etwa aus der zentralen Frage “Hat sich Manager XY durch falsche Spesenabrechnungen bewusst finanzielle Vorteile verschafft?” unter Umständen eine ganz andere Problematik entwickeln (zum Beispiel “Wird durch unkontrollierte Fördervergaben Steuergeld verschwendet?”).

Nicht vergessen am besten einen Rechercheplan erstellen!

RedakteurInnen grenzen daher genau ab, was sie wissen möchten und beginnen erst dann mit ihren Nachforschungen. Um ein Durcheinander zu vermeiden, erstellen sie erst einmal einen Rechercheplan. Er enthält alle Stichworte zum Thema sowie Auskunftspersonen, Institutionen und Ansprechstellen mit Adresse und Telefonnummer. Dafür benutzen Profis Karteikarten, handschriftliche Notizen, bzw. sie tippen alles fein säuberlich in den Computer: Die Art und Weise ist egal – Hauptsache es existiert ein Plan!

Diese Schritte führen zu einer  erfolgreichen Recherche

  • Herausfinden, ob über dieses Thema schon berichtet wurde, in Zeitungsarchiven stöbern
  • Kollegen befragen
  • Informationen aus dem Privatarchiv und dem Internet durchsehen und Antworten auf die  zentrale Recherchefrage suchen
  • Literatur besorgen, Bibliotheken durchforsten
  • Informanten befragen

Beim ersten Punkt geht es darum, zu überprüfen, ob über dieses Thema schon einmal berichtet wurde. Dafür eignen sich das private Archiv und natürlich ganz besonders das Internet als Recherchequelle. Anschließend werden Informanten wie etwa Kollegen befragt. Informationen von Bibliotheken, Zeitungsarchiven oder Dokumentationsstellen bieten wertvolle Informationen. Bei der Literaturrecherche leistet das Internet gute Dienste sowie die jeweiligen Landesarchive welche ebenfalls meist die Möglichkeit bieten mittels Registrierung online diverse Abfragen zu tätigen.

Bei diesen Vorarbeiten erfahren RedakteurInnen nicht nur viele interessante Dinge über Ihr Recherchethema, Sie finden auch wichtige Hinweise auf Personen oder Institutionen, die ihnen weitere Auskünfte geben können. Bevor sie mit diesen Gesprächen beginnen, müssen sie über ihr Thema allerdings gut Bescheid wissen. Nur so können sie präzise Fragen stellen, ihre Gesprächspartner aus der Reserve locken, Widersprüche entdecken und falsche Argumente erkennen.

Die Recherche sollte immer von  ”außen” nach “innen” erfolgen

Bei der Entscheidung, wen der/die RedakteurIn zuerst befragen möchte, orientiert er sich an folgender Grundregel: Ein Sachverhalt sollte immer von „außen” nach „innen” recherchiert werden. „Außenstehende” Personen stehen dem Sachverhalt neutral gegenüber; sie sind unbeteiligt und verfolgen in der entsprechenden Angelegenheit keine besonderen Interessen. Sie helfen dabei, mehr über das Recherchethema zu erfahren. Erst dann, wenn man mit ihnen gesprochen hat, sollte man mit „Innenstehenden” Personen sprechen. Diese sind in irgendeiner Weise beteiligt. So erhält der/die RedakteurIn  „pro” oder „kontra” zu seinem Thema.

Informationen gleich notieren

Profi-RedakteurInnen machen sich zu jeder relevanten Information eine Notiz! Meist erledigen sie das gleich während oder kurz nach einem persönlichen Gespräch oder Telefonat. Wenn zu viel Zeit zwischen dem Hören und dem Niederschreiben vergeht, können wichtige Details verloren gehen.

Wenn das Mitschreiben zu hektisch ist, weil der/die RedakteurIn  nicht Stenografieren kann, dann kann auch ein Diktiergerät verwendet werden. Der Gesprächspartner muss aber  immer (auch beim Aufnehmen von Telefonaten) vorher gefragt werden, ob er mit einer Tonaufzeichnung einverstanden ist! Nach dem Abschluss eines Themas werden alle wichtigen Informationen einige Zeit archiviert. Sie können bei Nachforschungen zu anderen Themen helfen (also nicht vergessen ein Privatarchiv, zudem nur der/die RedakteurIn Zugang hat anzulegen) außerdem sind die Aufzeichnungen bei heiklen Themen auch ein wichtiger Beleg für die Seriosität der Recherche.

Ein Beispiel

Es geht um eine Presseaussendung der Universität für Bodenkultur in Wien. Die Abteilung Lebensmittel-Forschung macht mit einer Aussendung auf aktuelle Forschungsergebnisse rund um den gesundheitlichen Wert des Naturnahrungsmittels Honig aufmerksam. Die Studie besagt, dass Honig weder gesünder noch vitaminreicher ist als Fruchtzuckerprodukte.

Die zentrale Frage der/des recherchierenden RedakteurIn ist also folgende: “Wie gesund ist Honig wirklich?”.

Der Rechercheplan zu diesem Thema  könnte in etwa so aussehen:

RECHERCHEPLAN: “Wie vitaminreich  ist Honig”

  • Herausfinden, ob über dieses Thema schon berichtet wurde (Archive durchstöbern)
  • Kollegen und Bekannte befragen
  • Informationen aus dem Privatarchiv durchsehen.
  • Aktuelle Informationen besorgen (Internet, Bibliotheken, Pressestellen, …)
  • Informanten befragen
  • Im Ministerium für Landwirtschaft nachfragen
  • Lebensmittelversuchsanstalten aufsuchen
  • etwaige sonstige Forschungsinstitute aufsuchen
  • Fachärzte (z.B. Kinderärzte)
  • Imkerverbände
  • Naturkostläden oder etwa Homöopathen befragen
  • den Herausgeber der aktuellen Studie interviewen

Der  RedakteurIn informiert sich im Internet, in Bibliotheken, Zeitungsarchiven und bei Pressestellen. Außerdem spricht er/sie mit den oben genannten Experten. Jetzt ist der Wissensstand groß genug, um auch „Innenstehende” Personen zu interviewen, etwa den Vertreter des Ministeriums, der natürlich am positiven Image des Honigs interessiert ist. So erfährt er auch die von Ministerium vorgebrachten Argumente, die er aufgrund seines Hintergrundwissens schon recht gut einordnen und beurteilen kann.

Erst jetzt unterhält er/sie sich mit dem Verfasser der zur Presseaussendung gehörenden Studie, die der Ausgangspunkt für die Recherche war. Er/Sie klärt offene Punkte und allfällige Widersprüche und versucht, die restlichen Teile des Puzzles zusammenzufügen. Damit hat er alle wichtigen Punkte für eine richtige Recherche und seine journalistisch Sorgfaltspflicht erfüllt. Keine Fragen bleiben offen. Das ist auch dann wichtig, wenn man Pressetexte mit guten Chancen auf eine Veröffentlichung erarbeitet.

Mit diesen Tipps wünsche ich viel Vergnügen bei der nächsten Recherche.

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